Wenn ich die
Menschen in meiner Umgebung beschreiben müsste, würde ich auf eine Einschätzung
meiner Mutter zurückgreifen. "Zu dir kommen Menschen, die Hilfe brauchen.
Menschen, die einfach ein Ohr zum zuhören brauchen. Und Liebe oder Freundschaft
- einfach jemanden, mit dem sie reden können."
Das ist zum
einen furchtbar anstrengend. Ich tue mich schwer damit Menschen wirklich vor
den Kopf zu stoßen. Deswegen scheine ich gerade auch Leute anzuziehen, die
sonst niemanden haben. Es kostet mich nichts dort zuzuhören und einen Rat zu
geben.
Es ist für
mich eine Selbstverständlichkeit, dass mich Leute mit ihren Problemen belegen.
Dass sie mich um Hilfe bitten. Es erscheint mir normal, dass man zu mir kommt,
wenn man alleine ist.
Umso
schwerer ist meine momentane Situation. Alle um mich herum scheinen Probleme zu
haben. Scheinen gerade auf einem dünnen Seil über ihren persönlichen Abgrund zu
balancieren. Und das schlimmste ist für mich, dass mich keiner von ihnen um
Hilfe bittet. Fremden Menschen darf ich helfen - den Menschen, die mir nichts
wert sind. Aber meine Freunde, für dich ich mich aufopfern würde, lassen das
nicht zu. Ob nun mein bester Freund oder Leo. Beide machen gerade einfach zu.
Weyzen ist in einer so verzwickten Situation, in der ich ihm nicht helfen kann
außer ihm mein Ohr un meine Meinung zu geben. Max ziehe ich selbst immer wieder
in den Kreislauf hinein, wiel ich selbst nicht mehr großartig weiß, wo ich noch
hin soll.
Es ist diese
quälende Hilflosigkeit, die mich heute Nacht wachhält. Meine Augen und meinen
Geist nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich brauche den Schlaf nicht, aber diese
Fragen und Gedanken machen mich wahnsinnig. Ich opfere mich für Freunde
komplett auf. Ohne Fragen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich verzeihe
Freunden alles. So lange wie ich weiß, dass diese Freunde für mich da sind. Und
so lange wie sie meine Freunde gut behandeln.
Ich habe
kein Problem damit mich vor Freunde zu stellen und sie zu verteidigen, egal
gegen wen. Auch bei Familie bin ich so. Vorsicht, ich definiere Familie anders
als ihr. Kleiner.
Weil ich
mein Leben auf meine Freunde stütze, weil sie das wichtigste in meinem Leben
sind nebst Familie, macht es mich wahnsinnig zuzusehen wie einer nach dem
anderen beginnt auf seinem Seil die Balance zu verlieren. Und noch immer
scheint keiner meine Hand greifen zu wollen.
Ich kann nur
weiterhin warten. Warten und meine Probleme wälzen. Ihre Probleme zu lösen
versuchen. Atlas trägt die Last des Himmelsgewölbe auf den Schultern. Ich trage
nur meine eigene und die, die man mir gibt. Fremde geben sie mir bedenkenlos.
Aber Freunde, die ich bitte, nicht. Und das scheint meine größte Last zu
sein...
"Ich bitte nicht um weniger Last, nur
um breitere Schultern."
-
jüdisches Sprichwort
Schlaflos
umherirrend,
Lea
Schnucki,
AntwortenLöschendu weißt, dass ich in keinster Weise Probleme habe. Dementsprechend kannst du mir jedes bisschen deiner Last an den Kopf knallen.
Getreu dem Motto ''Ich kann ihn nicht für dich tragen, aber ich kann dich tragen.''