Mittwoch, 21. März 2012

Dankbares Lächeln


"Helden sind Menschen, die ihre Bedürfnisse unter die der anderen stellen."
Das ist zwar nicht ganz die Definition von Wikipedia, aber ich finde sie dennoch sehr treffend. Und irgendwie auch traurig. Es ist inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr auf sein eigenes Wohl für einen anderen zu verzichten. Und doch, wo beginnen Heldentaten?
Ist es eine Heldentat, in der Bahn für eine alte Frau aufzustehen? Für die Frau schon. Für einige ist das eine Selbstverständlichkeit und nicht als Heldentat zu betrachten. Und andere Menschen würden nicht im Traum daran denken, aufzustehen. Eine solche Kleinigkeit im Alltag. Aber es trifft dennoch auf die Definition zu.
Ist es eine Heldentat, wenn man einem Menschen, der sich verletzt hat, hilft? Leider ist auch das etwas, worüber man sich streiten kann. Manche würden sagen, dass es jedem selbst überlassen ist sich um sich selbst zu kümmern. Nur der kleinste Teil der Leute würden stehenbleiben und Hilfe anbieten.
Besonders schön ist ein Beispiel, was ich vor kurzem selbst erlebt hab. Sonntag, Marktplatz. Ich war schlecht drauf und unterwegs - einfach laufen um den Kopf freizubekommen und mich zu bewegen. Sonntag hier ist nichts los. Wenige Menschen an der Haltestelle und ein kleiner Junge, der verzweifelt weint und die Leute um zwei Euro bittet, weil er sonst nicht nach Hause kann. Keine Mutter oder Vater in Sicht, nur dieser Junge. Es hat mich schockiert zu sehen, dass keiner ihm Geld gegeben hat. Nicht mal eine ältere, freundlich wirkende Frau. Wer mich kennt, weiß, ich habe nicht so viel übrig für kleine Kinder und ich bin eigentlich immer knapp bei Kasse. Aber ich hab bem Jungen das Geld gegeben. Es ist dieses Leuchten und die Dankbarkeit in seinem Blick gewesen, die mich berührt hat.
Für mich war das keine große Sache. Ich bin erzogen worden in der Bahn aufzustehen und meine Hilfe anzubieten. Mich hat ein Engel erzogen. Oder ist sie eher eine Heldin? Ich bin mir da nicht ganz sicher, aber ich bin stolz darauf, sie meine Mutter nennen zu dürfen.
In Comics tragen Helden immer ein Kostüm - auffällig und so gemacht, dass man sie immer wieder erkennt. In der Realität ist das viel schwerer. Denn man müsste sich auf eine Definition für einen modernen Helden einigen. Nicht mehr die alte griechische. Es geht nicht mehr darum, einen Drachen mit einem Schwert zu erschlagen oder eine Burg zu stürmen und die Frau und den Schatz zu erhalten. All diese Dinge sind heute nicht mehr relevant.
Für mich ist ein Held der Mensch, der erst an den anderen denkt, dann an sich. Immer mehr gibt, als es hat. "Wenn ich zwei Jacken hätte und eine Frau vor mir stehen würde, die keine hätte und es bitter kalt wäre, würde ich ihr eine geben." Wohlbemerkt, das hat kein Millionär gesagt oder ein Geistlicher, der indirekt dafür bezahlt wird. Nein, es war wiederum meine Mutter. Das Wort "Aufopferung" muss für sie erst neu erfunden werden.
Helden sind in unserer Zeit selten. Zu selten. Kleinigkeit tun doch niemandem weh. Wir sind doch jung, wir können in der Bahn stehen. Einmal die eigenen Faulheit hinten anstellen für einen alten Menschen. Für den Menschen ein Held sein.
Lea

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