"Helden sind Menschen,
die ihre Bedürfnisse unter die der anderen stellen."
Das ist zwar
nicht ganz die Definition von Wikipedia, aber ich finde sie dennoch sehr
treffend. Und irgendwie auch traurig. Es ist inzwischen keine
Selbstverständlichkeit mehr auf sein eigenes Wohl für einen anderen zu
verzichten. Und doch, wo beginnen Heldentaten?
Ist es eine Heldentat,
in der Bahn für eine alte Frau aufzustehen? Für die Frau schon. Für einige ist
das eine Selbstverständlichkeit und nicht als Heldentat zu betrachten. Und
andere Menschen würden nicht im Traum daran denken, aufzustehen. Eine solche
Kleinigkeit im Alltag. Aber es trifft dennoch auf die Definition zu.
Ist es eine Heldentat,
wenn man einem Menschen, der sich verletzt hat, hilft? Leider ist auch das
etwas, worüber man sich streiten kann. Manche würden sagen, dass es jedem selbst
überlassen ist sich um sich selbst zu kümmern. Nur der kleinste Teil der Leute
würden stehenbleiben und Hilfe anbieten.
Besonders
schön ist ein Beispiel, was ich vor kurzem selbst erlebt hab. Sonntag,
Marktplatz. Ich war schlecht drauf und unterwegs - einfach laufen um den Kopf
freizubekommen und mich zu bewegen. Sonntag hier ist nichts los. Wenige Menschen
an der Haltestelle und ein kleiner Junge, der verzweifelt weint und die Leute
um zwei Euro bittet, weil er sonst nicht nach Hause kann. Keine Mutter oder
Vater in Sicht, nur dieser Junge. Es hat mich schockiert zu sehen, dass keiner
ihm Geld gegeben hat. Nicht mal eine ältere, freundlich wirkende Frau. Wer mich
kennt, weiß, ich habe nicht so viel übrig für kleine Kinder und ich bin
eigentlich immer knapp bei Kasse. Aber ich hab bem Jungen das Geld gegeben. Es
ist dieses Leuchten und die Dankbarkeit in seinem Blick gewesen, die mich
berührt hat.
Für mich war
das keine große Sache. Ich bin erzogen worden in der Bahn aufzustehen und meine
Hilfe anzubieten. Mich hat ein Engel erzogen. Oder ist sie eher eine Heldin?
Ich bin mir da nicht ganz sicher, aber ich bin stolz darauf, sie meine Mutter
nennen zu dürfen.
In Comics
tragen Helden immer ein Kostüm - auffällig und so gemacht, dass man sie immer
wieder erkennt. In der Realität ist das viel schwerer. Denn man müsste sich auf
eine Definition für einen modernen Helden einigen. Nicht mehr die alte
griechische. Es geht nicht mehr darum, einen Drachen mit einem Schwert zu
erschlagen oder eine Burg zu stürmen und die Frau und den Schatz zu erhalten.
All diese Dinge sind heute nicht mehr relevant.
Für mich ist
ein Held der Mensch, der erst an den anderen denkt, dann an sich. Immer mehr
gibt, als es hat. "Wenn ich zwei Jacken hätte und eine Frau vor mir stehen
würde, die keine hätte und es bitter kalt wäre, würde ich ihr eine geben."
Wohlbemerkt, das hat kein Millionär gesagt oder ein Geistlicher, der indirekt
dafür bezahlt wird. Nein, es war wiederum meine Mutter. Das Wort
"Aufopferung" muss für sie erst neu erfunden werden.
Helden sind
in unserer Zeit selten. Zu selten. Kleinigkeit tun doch niemandem weh. Wir sind
doch jung, wir können in der Bahn stehen. Einmal die eigenen Faulheit hinten
anstellen für einen alten Menschen. Für den Menschen ein Held sein.
Lea
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