Donnerstag, 15. März 2012

Töne in der Stille


Es sind die kleinen Dinge, die ganz alltäglich und normal scheinen. Die Umarmung einer Mutter, wenn man sie braucht. Der zuhörende Freund, wenn man ein Problem hat. Die Freundin, die einen aufmuntert, wenn man traurig ist. Oder einfach nur ein bestimmter Gegenstand, der einen schon sein ganzes Leben lang begleitet - verhasst und dennoch geliebt, unverzichtbar. Doch die Kostbarkeit dieser Dinge wird einem erst richtig bewusst, wenn man sie verloren hat oder grade im Begriff ist sie zu verlieren.
Wie schmerzhaft entfernt sind Umarmungen, wenn man auf einmal auf sich selbst gestellt ist. Wie sehr fehlt einem der Freund, wenn man ein Problem hat, dass einem auf der Seele liegt. Wie sehr trübt es doch die Stimmung nur ein Besetz-Zeichen zu hören anstelle der besten Freundin. Wie schmerzhaft wird einem klar, dass man diesen Gegenstand liebt, wenn er einem weggenommen wird.
Wie sehen zwar, was um uns ist, doch wir nehmen es als völlig selbstverständlich hin. Große, bedeutende Sachen sind für uns ganz klein. Und die wahre Größe können wir erst begreifen, wenn wir die Lücke in unserem Leben sehen. Wenn ich mich umsehe und betrachte wie schlecht manche Lücken gefüllt sind, frage ich mich immer wieder, warum ich nicht früher die Augen geöffnet habe.
Es ist doch so, dass wir uns erst Gedanken machen über etwas, wenn es kaputt ist. Ich weiß zum Beispiel, dass mein Uhr schön ist und sie mir im Unterricht den Blick auf das Handy erspart - und damit die Mitteilung, dass keiner an mich gedacht hat - aber wie abhängig ich davon bin, merke ich erst, wenn die Batterie leer ist. Ich habe ein gutes Zeitgefühl, aber auf Dauer ist es auch nicht zuverlässig. Erst wenn das Armband am Handgelenk fehlt, weiß ich wieder wie wichtig sie für meinen Tag ist. Und wenn das schon bei einem so kleinen Gegenstand so schwerwiegend ist, wie ist es dann erst bei einem viel wichtigeren?
Man kann es mit einem Umzug vergleichen. Jahrelang meckert man über die Stadt, in der man lebt bis man endlich hinauszieht in die Welt. Und irgendwann erkennt man, dass es woanders gar nicht so viel schöner ist. Man sieht zwar auch die neuen Dinge und Plätze, die man hat, aber man findet immer wieder etwas, was man vermisst. Einen guten Buchladen. Ein schönes Café. Einen bestimmten Menschen.
Verlustängste. Und der Drang nach Neuem. Zwei Seiten einer Medaille. Der Mittelweg zwischen den beiden Seiten ist nicht bei allen Dingen schnell gefunden. Und ich habe schmerzlich gemerkt, dass nicht alle Entscheidungen am Ende zum erwünschtem Ergebnis führen. Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich mir bei einigen Dingen gedacht habe.
Und während mein Blick durch den Raum schweift und an dem Objekt hängen bleibt, was ich fast verloren habe, weiß ich: Für manche Dinge lohnt es sich und kämpfen, denn wenn man sie nicht mehr hätte - was sollte man dann noch groß machen?
In Tönen verschwunden,
Lea

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen