Es sind die
kleinen Dinge, die ganz alltäglich und normal scheinen. Die Umarmung einer
Mutter, wenn man sie braucht. Der zuhörende Freund, wenn man ein Problem hat.
Die Freundin, die einen aufmuntert, wenn man traurig ist. Oder einfach nur ein
bestimmter Gegenstand, der einen schon sein ganzes Leben lang begleitet -
verhasst und dennoch geliebt, unverzichtbar. Doch die Kostbarkeit dieser Dinge
wird einem erst richtig bewusst, wenn man sie verloren hat oder grade im
Begriff ist sie zu verlieren.
Wie
schmerzhaft entfernt sind Umarmungen, wenn man auf einmal auf sich selbst
gestellt ist. Wie sehr fehlt einem der Freund, wenn man ein Problem hat, dass
einem auf der Seele liegt. Wie sehr trübt es doch die Stimmung nur ein Besetz-Zeichen
zu hören anstelle der besten Freundin. Wie schmerzhaft wird einem klar, dass
man diesen Gegenstand liebt, wenn er einem weggenommen wird.
Wie sehen
zwar, was um uns ist, doch wir nehmen es als völlig selbstverständlich hin.
Große, bedeutende Sachen sind für uns ganz klein. Und die wahre Größe können
wir erst begreifen, wenn wir die Lücke in unserem Leben sehen. Wenn ich mich
umsehe und betrachte wie schlecht manche Lücken gefüllt sind, frage ich mich
immer wieder, warum ich nicht früher die Augen geöffnet habe.
Es ist doch
so, dass wir uns erst Gedanken machen über etwas, wenn es kaputt ist. Ich weiß
zum Beispiel, dass mein Uhr schön ist und sie mir im Unterricht den Blick auf
das Handy erspart - und damit die Mitteilung, dass keiner an mich gedacht hat -
aber wie abhängig ich davon bin, merke ich erst, wenn die Batterie leer ist.
Ich habe ein gutes Zeitgefühl, aber auf Dauer ist es auch nicht zuverlässig.
Erst wenn das Armband am Handgelenk fehlt, weiß ich wieder wie wichtig sie für
meinen Tag ist. Und wenn das schon bei einem so kleinen Gegenstand so
schwerwiegend ist, wie ist es dann erst bei einem viel wichtigeren?
Man kann es
mit einem Umzug vergleichen. Jahrelang meckert man über die Stadt, in der man
lebt bis man endlich hinauszieht in die Welt. Und irgendwann erkennt man, dass
es woanders gar nicht so viel schöner ist. Man sieht zwar auch die neuen Dinge
und Plätze, die man hat, aber man findet immer wieder etwas, was man vermisst.
Einen guten Buchladen. Ein schönes Café. Einen bestimmten Menschen.
Verlustängste.
Und der Drang nach Neuem. Zwei Seiten einer Medaille. Der Mittelweg zwischen
den beiden Seiten ist nicht bei allen Dingen schnell gefunden. Und ich habe
schmerzlich gemerkt, dass nicht alle Entscheidungen am Ende zum erwünschtem
Ergebnis führen. Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich mir bei einigen
Dingen gedacht habe.
Und während
mein Blick durch den Raum schweift und an dem Objekt hängen bleibt, was ich
fast verloren habe, weiß ich: Für manche Dinge lohnt es sich und kämpfen, denn
wenn man sie nicht mehr hätte - was sollte man dann noch groß machen?
In Tönen verschwunden,
Lea
In Tönen verschwunden,
Lea
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