In den
letzen zwei Tagen bin ich mein Leben immer und immer wieder durchgegangen - jedes
irgendwie wichtige Ereignis - auf der Suche nach etwas, was ich nicht ganz
genau beschreiben kann. Vielleicht suche ich nach der Erklärung dafür, warum
ich so bin wie ich es jetzt bin. Nicht das ich unzufrieden wäre - keineswegs -
aber es lässt mich doch nicht los. Als Ergebnis sitze ich auf meinem
Fensterbrett und rauche mit einer Stimmung, die durch das Wort "mies"
nur angekratzt wird. Nicht nur, dass ich keine befriedigende Erklärung finde,
alle meine Fehler scheinen mich mal wieder einzuholen mit einer Heftigkeit, die
immer wieder beeindruckend ist. Fehler, über die man nicht mehr nachdenken und
sich erst recht keine Vorwürfe mehr machen sollte.
"Es gibt keine falschen Entscheidungen.
In dem Augenblick, in dem du sie triffst, bist du davon überzeugt, sie seien
richtig."
Nicht bei
allen. Ich weiß bei manchen Dingen schon im Vorfeld, dass sie falsch sind. Schon
alleine mein Grund für das Rauchen war falsch und das war nun wirklich keine
wichtige Entscheidung.
Ich komme
mir vor, als hätte ich ein Buch in der Hand mit meinem Leben als Inhalt. Teils
Bilder, teils Schriftsätze, teilweise ganze Dialoge, die sich mir in den Kopf
gebrannt haben. Augenblicke, die mir wichtig waren.
Schöne
Erinnerungen - Ferien mit Nora. Eine Stunde Sonne an meinem Lieblingsort und
die Stunde Ruhe, die damit einhergeht. Gespräche mit Max und die Albernheiten
mit ihm. Ein Spaziergang im Sommerregen, nachdem ich nass bis auf die Knochen,
aber glücklich bin. Eine Wanderung durch herbstliche Landschaft.
Schlechter
Erinnerungen - Streit mit meiner Mutter. Entscheidungen, die falsch getroffen
wurden -ich möchte hier keine Einzelheiten nennen, belassen wir es dabei, dass
es zu viele waren.
Traurige
Erinnerungen - Abschied von Max. Einsamkeit in belebter Gesellschaft.
Erinnerungen an Menschen, die mir mal etwas bedeutet haben.
An dem
Wochenende hat sich mein Bild von mir verändert und ich weiß nicht mehr, ob ich
wirklich die bin, von der ich es immer dachte. Max sagt mir gerne, dass er sehr
stolz auf mich gewesen ist. Und früher hätte ich ihm zugestimmt. Heute weiß ich
nicht, ob er Grund dafür hat. Er sieht mich immer noch als starkes,
selbstsicheres Mädchen. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich das gar nicht. Ich
präsentiere mich nur meistens so. Ich habe alles geschafft, aber nicht
unbeschadet. Und jetzt frage ich mich, ob ich nicht mehr Schaden genommen habe,
als ich immer gedacht habe.
Mein Welt,
meine Auffassung scheint ins Rutschen zu geraten und ich weiß nicht, wie ich
damit umgehen soll. Mich fallen lassen? Habe ich eine andere Wahl? Und wird
sich diese Krise wieder legen? Irgendwann schon, oder?
Und bis
dahin muss ich wohl den Kopf heben und den Menschen das zeigen, was sie sehen
wollen. Ein starkes, selbstsicheres Mädchen, dass mit jeder Situation
klarkommt, sich aber im richtigen Moment unsichtbar machen kann, um keinen zu
verletzen.
Langsam
nutzt auch die laute Musik nichts mehr um meine Gedanken zu bannen. Ich bringe
auch keinen Bissen hinunter. Wenn ich heute wieder nicht schlafe, wird morgen
ein extrem langer Tag...
Lea
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