Sonntag, 18. März 2012

Ein Buch im falschen Umschlag


In den letzen zwei Tagen bin ich mein Leben immer und immer wieder durchgegangen - jedes irgendwie wichtige Ereignis - auf der Suche nach etwas, was ich nicht ganz genau beschreiben kann. Vielleicht suche ich nach der Erklärung dafür, warum ich so bin wie ich es jetzt bin. Nicht das ich unzufrieden wäre - keineswegs - aber es lässt mich doch nicht los. Als Ergebnis sitze ich auf meinem Fensterbrett und rauche mit einer Stimmung, die durch das Wort "mies" nur angekratzt wird. Nicht nur, dass ich keine befriedigende Erklärung finde, alle meine Fehler scheinen mich mal wieder einzuholen mit einer Heftigkeit, die immer wieder beeindruckend ist. Fehler, über die man nicht mehr nachdenken und sich erst recht keine Vorwürfe mehr machen sollte.

"Es gibt keine falschen Entscheidungen. In dem Augenblick, in dem du sie triffst, bist du davon überzeugt, sie seien richtig."

Nicht bei allen. Ich weiß bei manchen Dingen schon im Vorfeld, dass sie falsch sind. Schon alleine mein Grund für das Rauchen war falsch und das war nun wirklich keine wichtige Entscheidung.
Ich komme mir vor, als hätte ich ein Buch in der Hand mit meinem Leben als Inhalt. Teils Bilder, teils Schriftsätze, teilweise ganze Dialoge, die sich mir in den Kopf gebrannt haben. Augenblicke, die mir wichtig waren.
Schöne Erinnerungen - Ferien mit Nora. Eine Stunde Sonne an meinem Lieblingsort und die Stunde Ruhe, die damit einhergeht. Gespräche mit Max und die Albernheiten mit ihm. Ein Spaziergang im Sommerregen, nachdem ich nass bis auf die Knochen, aber glücklich bin. Eine Wanderung durch herbstliche Landschaft.
Schlechter Erinnerungen - Streit mit meiner Mutter. Entscheidungen, die falsch getroffen wurden -ich möchte hier keine Einzelheiten nennen, belassen wir es dabei, dass es zu viele waren.
Traurige Erinnerungen - Abschied von Max. Einsamkeit in belebter Gesellschaft. Erinnerungen an Menschen, die mir mal etwas bedeutet haben.
An dem Wochenende hat sich mein Bild von mir verändert und ich weiß nicht mehr, ob ich wirklich die bin, von der ich es immer dachte. Max sagt mir gerne, dass er sehr stolz auf mich gewesen ist. Und früher hätte ich ihm zugestimmt. Heute weiß ich nicht, ob er Grund dafür hat. Er sieht mich immer noch als starkes, selbstsicheres Mädchen. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich das gar nicht. Ich präsentiere mich nur meistens so. Ich habe alles geschafft, aber nicht unbeschadet. Und jetzt frage ich mich, ob ich nicht mehr Schaden genommen habe, als ich immer gedacht habe.
Mein Welt, meine Auffassung scheint ins Rutschen zu geraten und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Mich fallen lassen? Habe ich eine andere Wahl? Und wird sich diese Krise wieder legen? Irgendwann schon, oder?
Und bis dahin muss ich wohl den Kopf heben und den Menschen das zeigen, was sie sehen wollen. Ein starkes, selbstsicheres Mädchen, dass mit jeder Situation klarkommt, sich aber im richtigen Moment unsichtbar machen kann, um keinen zu verletzen.
Langsam nutzt auch die laute Musik nichts mehr um meine Gedanken zu bannen. Ich bringe auch keinen Bissen hinunter. Wenn ich heute wieder nicht schlafe, wird morgen ein extrem langer Tag...
Lea

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen