Freitag, 29. Juni 2012

Alter Anfang, neues Ende


Wir.
Ein kleines Wort, was aus - meistens - zwei Menschen eine Einheit macht. Es zeigt wie nahe sie einander stehen.
Im schlimmsten Fall trifft man die beiden nur noch zusammen an. Der Versuch mit einem von beiden alleine zu reden wird dann zu einem Kraftakt.

Aber so langsam wird mir klar: Es gibt kein "wir". Gab es nie. Wird es wahrscheinlich auch nie geben. Es gibt nur "Du" und "Ich". Du bist stark, kannst auf eigenen Beinen stehen. Ich kann nur so tun als würde ich vorwärts gehen können. Ich kann gut meine Wunden verstecken und tun als wäre nichts. Du, Ich, Wir, alles nur Begriffe.

Es wird Zeit die Dinge zu trennen und auf beiden Beinen zu stehen. Ich habe den Willen und die Kraft aufrecht zu stehen ohne Hilfe. Ich bin mir dessen sicher. Ich habe Entscheidungen für mich getroffen, mit denen ich glücklich bin und für die ich aufrecht stehen kann. Entscheidungen, für die ich mir noch in die Augen sehen kann.

"Die Zeit heilt alle Wunden." Ich möchte dem noch etwas hinzufügen. Sie gibt auch alte und neue Kraft zurück.

"I still believe that you remember me."
"Wenn du vergessen kannst, vergiss. Dann werd' ich morgen nicht mehr sein als nur ein Stein auf deinem Weg."

Zwei verschiedene Aussagen. Beide sind wahr. Für beide kenne ich eine Person, auf die es zutrifft. Und ich hoffe, dass es bald einen weiteren Stein auf meinem Weg gibt...

Lea

Donnerstag, 28. Juni 2012

Eine Ära endet


Irgendwann kommt über kurz oder lang der Tag, wo ich mich immer wieder frage: "Sag mal, warum musst du mich eigentlich von vorne bis hinten belügen?" Warum werden mir von der einen Person Dinge erzählt, die nicht irrelevant erscheinen, wenn mir eine gute Woche später eine andere Quelle etwas völlig widersprüchliches erzählt? Mein erster Gedanke: "Bin ich so unwichtig und wertlos, dass es in Ordnung ist mich so zu hintergehen und an der Nase herum zu führen?" Eine berechtigte Frage für ein Mädchen - ich vermute,  jede stellt sich bei einem Kerl irgendwann diese Frage.
Mein zweiter Gedanke war sehr viel einfacher: Wut. Die blanke Wut auf den Urheber der Geschichten. Vielleicht meinte er seine Aussagen in dem Moment ernst, aber seine Handlungen sprechen völlig dagegen. Es ist wie ein gebrochenes Versprechen - diese Dinge wiegen ebenso schwer. Und wer mich kennt, weiß, dass ich nur schwer verzeihen kann und erst recht nicht vergessen.
Worte von dieser Person sind nie auf die Goldwaage zu legen. Aber ich habe es dennoch immer wieder getan. Und heute bin ich wieder um eine Erfahrung reicher. Ich habe gelernt, dass es manchmal nicht mehr auf dem Weg, den man geht, weiter geht. Also ist es Zeit für einen Richtungswechsel.
Eine neue Richtung.
Eine neue Perspektive.
Ein neuer Weg.
Viele neue Schritte.
Es ist Zeit, dass Silber gewaschen wird...

Lea

Mittwoch, 20. Juni 2012

Weitere Gedanken des Sports

Noch ein zweiter Text, den ich schon lange schreiben wollte, aber für den ich erst jetzt Worte fand...

Eiswanderung

Ich zittere. Der Wind ist eiskalt, bringt immer mehr Schnee mit sich, der mir den Weg vorwärts erschwert. Schon jetzt ist um mich herum nichts zu sehen als endlose Weiten voller weiß. Verlassene Kälte. Mein ganzer Körper wird von heftigen Zitteranfällen durchgeschüttelt, der dünne Mantel hält der Kälte kaum stand, ist kein Schutz dagegen. Jeder Schritt scheint ewig, kostet unendlich viel Kraft. Ich weiß selbst um die Sinnlosigkeit jedes Schrittes, aber ich gehe trotzdem weiter. Meine Ohren sind erfüllt vom Rauschen des Windes und dem Knirschen des Schnees unter meinen Füßen. Sonst ist die Einsamkeit perfekt. Nicht die Andeutung von Leben. Nicht einmal Tiere, erst recht keine Zivilisation. Der einzige Gedanke, den ich fassen kann, ist: Wie bin ich hierhergekommen? Mir fällt die Antwort nicht ein. Ich weiß nur, dass ich gelaufen bin. Wer hat mir das angetan? Ich strauchle und falle. Der Sturz tut nicht weh, der Schnee dämmt ihn, aber ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, wieder aufzustehen.  Nur einen kleinen Moment lang möchte ich ausruhen. Nur einen Moment liegen bleiben und entspannen. Einen Augenblick Kräfte sammeln und zur Ruhe kommen. Die Aussichtslosigkeit der Situation vergessen und träumen. Von einem warmen Bett. Von Decken. Von einem gedeckten Tisch. Von meiner Mutter, die mich festhält. Von meinem Bruder, der den Kopf schüttelt und lächelt. Von Liebe. Die Gedanken verbreiten eine angenehme Wärme in mir. Ausgehend vom Herzen fließt sie durch meinen ganzen Körper: durch meine Arme und Beine, in meine Füße und Fingerspitzen, in mein Gesicht, meine Wangen und Nase. Ich genieße dieses Gefühl, es gibt mir Hoffnung. Wenn ich mir vorstelle wie meine Hündin aufs Bett springt und über mein Gesicht leckt, huscht die Andeutung eines Lächelns über mein eisiges Gesicht. Freude durchfährt mich. Meine Kleine. Ich vermisse sie. Wie im Traum höre ich ihr Winseln und Bellen. Ich höre das Lachen der Menschen, die mir nahe stehen. Hitze brennt wie Feuer in meinen Adern. Am Rande frage ich mich wieso der Schnee um mich herum nicht einfach wegtaut. Ich müsste ihn doch praktisch wegbrennen. Seufzend schließe ich die Augen. Ich bin müde und mir ist warm. Jetzt ist für mich der richtige Moment zu schlafen. Die Erschöpfung legt sich über mich. Die Geräusche werden leiser, während ich wegdämmere. Die Wirklichkeit fließt mit dem Traum ineinander. Ich kuschel mich noch etwas in meinen Mantel. eigentlich brauche ich ihn nicht mehr, mir ist warm genug. Dass ich die Augen nie wieder öffnen werde, ist mir auch in meinem letzten wachen Moment nicht bewusst...

Lea
 

Dienstag, 12. Juni 2012

Sport

Also, das passiert, wenn ich nach dem Sport beim Warten zu viel Zeit habe.

Waldlauf

Es ist Nacht. Ich hetzt durch den Wald. Mein Herz pocht in meinem Ohren. Ich weiß, ich mach viel zu viel Lärm und bin leichte Beute für die Bestien, die mich verfolgen, aber die Angst treibt mich vorwärts ohne Rücksicht. Und so lasse ich mich von den knisternden Blättern und knirschenden Zweigen unter meinen Füßen nicht stören. Ich renne nur. Hauptsache weg. Egal wohin. Bevorzugt zu einer Straße. Ich hätte schwören können, dass in der Nähe eine seien müsste. Laufe ich in die falsche Richtung? Angst fließt durch meine Adern wie Gift, wird mit jedem Herzschlag weitergepumpt. Es wird lauter - das Heulen der Wölfe hinter mir. Sie kommen näher. Wenn sie mich erreichen, wird das das Ende sein. Ein Ende, um welches sich die Wölfe reißen werden. Weil ich dann ihre nächste Beute seien werde. Ihre Heulen klingt in meinem Ohren, schwillt an zu einem nicht enden wollenden Konzert. Die Furcht legt sich wie ein Mantel um mich. Verwächst mit mir wie eine zweite Haut. Das Adrenalin schießt durch meine Adern. Treibt mich an, gibt mir die Kraft zu laufen. Ein Ast peitscht mir ins Gesicht als ich durchs Gebüsch presche, hinterlässt eine glühende, schmerzende Spur auf meiner Wange. Es ist mir egal. Das Gebüsch wird dichter, undurchdringlicher. Meine Angst wächst in schwindelerregende Höhen. Was wenn es am Ende mich zu sehr stoppt? Verzweifelt schlage ich mich hindurch als es wieder lichter wird. Ich renne schneller. Der Wald wird heller, der Mondschein trifft den Boden großflächiger. Das Heulen wird leiser, aber auch wütender. Die Meute scheint zurückzufallen. Ich hole den letzten Rest Kraft aus meinen Beinen und sprinte nochmal durch. Mein Herz setzt aus - da ist die Straße. Sie ist wirklich hier. Die letzten Meter erscheinen mir endlos. Der Boden unter meinen Schuhen - eben noch nachgiebige Erde - wird zu festem Asphalt. Ich folge dem Verlauf der Straße noch ein Stück ehe ich mein Tempo drossle, bevor ich ganz stehen bleibe. Mein Herzschlag hämmert in meinen Ohren, meine Beine zittern wie verrückt, mein Atem geht schnell und flach. Aber ich in entkommen. Vorsichtig streiche ich über meine Wange. Blut rinnt hinüber. Ich lächle, der Ast hat mich erwischt, aber nicht das Rudel. Das ist ein leicht zu akzeptierender Ausgleich. Vorsichtig gehe ich vorwärts. Jeder Schritt scheint auf einmal wie durch Treibsand. Das Adrenalin verflüchtigt sich und mein Körper rebelliert gegen jeden Schritt. Macht ihn zur Qual. Ich kämpfe um jeden Meter, der mich Richtung Stadt bringt. Und dann sehe ich die Scheinwerfer hinter mir. Anscheinend muss ich doch nicht laufen, denke ich als ich mich in die warmen Polster lehne und erschöpft die Augen schließe. Es war ein langer Tag...  

Lea

Donnerstag, 7. Juni 2012

Chaostheorie


Das Chaos beginnt sich zu ordnen. Puzzleteile rutschen an ihre Plätze und langsam entsteht ein klareres Bild. Ein Bild, was mir zeigt, dass ich gewaltig in der Tinte sitze. Mein Freak findet zwar, dass ich erholt aussehe und auch zufrieden, aber wenn ich mich in mir umsehe, sehe ich nur Verwirrung und Angst. Eine Generalüberholung ist schon so lange fällig. Und eine Frage ist schon geklärt: Einen von den drei Mistkerlen kann ich streichen mit Bestimmtheit. Ein Zweiter ist unwahrscheinlich. Die Schlussfolgerung lässt mich zittern vor Furcht. Wenn er ein Orkan ist und ich lange Zeit in seinem Inneren gewirbelt bin, dann war ich zwischenzeitlich sehr weit außen. Und werde wieder in die Mitte getrieben. Schon der Gedanke bereitet mir Übelkeit. Warum? Mehr will ich nicht wissen. Nur eine weitere Sache: Wie komme ich frei? Und wie bleibe ich in Sicherheit? Wenn es nicht einmal Isolation schafft, was soll es dann schaffen?
Lea