Die
schwierigsten Dinge dieser Zeit sind Worte. Worte haben Kraft, sind machtvoll,
verletzend, Es ist schwer, die Richtigen zur richtigen Zeit zu finden. Falsch
gewählte Worte haben eine große Zerstörungskraft. Sie können Momente,
Beziehungen, Gefühle, aber auch Menschen zerstören. Ich versuche schon seit
längerem die richtigen Worte zu finden. Und das für etwas so simples wie ein
Gespräch. Es ist verrückt, wie viel man über solche Fragen nachdenken kann. Wie
wichtig einem solche Dinge werden können.
Von welch erstaunlicher Intensität ein Gedanke werde kann, wenn man ihm
die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln. Worte beginnen sich zu formen, Sätze
entstehen und ganze Texte verbinden sich, werden verworfen, verbessert,
umgebaut. Und anstatt sie auszusprechen, verfallen sie wieder in dem Strudel
neuer Gedanken. Alte Gedankenruinen werden restauriert, erweitert oder von
Grund auf neu gebaut. Wenn man jeden Gedanken - alles, was einem wichtig
erscheint - aufschreiben würde - ich könnte Bücher damit füllen. Aber - warum
auch immer - ich kann nicht dieses Gespräch beginnen, denn kein Satz scheint
mir passend dafür, kein Wort angebracht. So verschwinden die Satzreihen in der
Ruinenstadt, um vielleicht eines Tages wieder aufgebessert zu werden....
Noch eine
weitere Erkenntnis möchte ich äußern: Gesprochene Worte sind mächtiger als
Geschriebene. In den letzten Tagen habe ich viel vorgelesen, Bücher auf diese
Art neu erlebt. Die Empfindungen in den Augen der Zuhörer gesehen und die
Geschichten neu auf mich wirken lassen. Als Wort auf dem Papier haben sie viel
Kraft, aber sie zu hören - die Kraft wächst um ein Vielfaches, habe ich das
Gefühl. Und es ist angenehm zu merken, dass es viele Menschen mitreißt, nicht
nur mich...
Lea