Sonntag, 29. Juli 2012

Worte


Die schwierigsten Dinge dieser Zeit sind Worte. Worte haben Kraft, sind machtvoll, verletzend, Es ist schwer, die Richtigen zur richtigen Zeit zu finden. Falsch gewählte Worte haben eine große Zerstörungskraft. Sie können Momente, Beziehungen, Gefühle, aber auch Menschen zerstören. Ich versuche schon seit längerem die richtigen Worte zu finden. Und das für etwas so simples wie ein Gespräch. Es ist verrückt, wie viel man über solche Fragen nachdenken kann. Wie wichtig einem solche Dinge werden können.  Von welch erstaunlicher Intensität ein Gedanke werde kann, wenn man ihm die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln. Worte beginnen sich zu formen, Sätze entstehen und ganze Texte verbinden sich, werden verworfen, verbessert, umgebaut. Und anstatt sie auszusprechen, verfallen sie wieder in dem Strudel neuer Gedanken. Alte Gedankenruinen werden restauriert, erweitert oder von Grund auf neu gebaut. Wenn man jeden Gedanken - alles, was einem wichtig erscheint - aufschreiben würde - ich könnte Bücher damit füllen. Aber - warum auch immer - ich kann nicht dieses Gespräch beginnen, denn kein Satz scheint mir passend dafür, kein Wort angebracht. So verschwinden die Satzreihen in der Ruinenstadt, um vielleicht eines Tages wieder aufgebessert zu werden....

Noch eine weitere Erkenntnis möchte ich äußern: Gesprochene Worte sind mächtiger als Geschriebene. In den letzten Tagen habe ich viel vorgelesen, Bücher auf diese Art neu erlebt. Die Empfindungen in den Augen der Zuhörer gesehen und die Geschichten neu auf mich wirken lassen. Als Wort auf dem Papier haben sie viel Kraft, aber sie zu hören - die Kraft wächst um ein Vielfaches, habe ich das Gefühl. Und es ist angenehm zu merken, dass es viele Menschen mitreißt, nicht nur mich...

Lea

Montag, 16. Juli 2012

Kapuzenaufschlag


Ich liebe eine Illusion. Schwierige Situation. Aber Erkenntnis ist der erste Schritt zur Weg der Besserung, auf dem Weg der Befreiung. Die Erkenntnis rollt wie eine Münze durch meine Gedanken, kippt um. Auf dem Tisch liegt das Idealbild, was ich habe. Diesen perfekten Menschen. Alle seine Fehler entschuldigt und akzeptiert. Alle Makel als Farbtupfen in einem Bild voller leuchtender Farben.
Aber diese Seite liegt auf der Tischplatte. Nach oben blickt die Wahrheit. Das eben nicht jeder Fehler liebenswert und wundervoll ist, sondern dunkle Flecken in einem grauen Bild. Dieser Mensch ist eben nicht perfekt, so wie ich es mir wünschen würde. Und er ist nicht, was ich mir wünsche.

"Und auf einmal ist es leicht. Nur ein Schritt, da ist die Tür.
 So viel Schmerz um diesen Mann und ich weiß nicht mehr wofür!
 Aus der Tür und aus der Stadt ohne aber, wenn und wie.
 Und erfahren, wo ich bin, wird er nie!"

So oder so ähnlich. Eher ein wenig anders. Ich öffne die Tür meines Herzens, packe den Kerl am Kragen und schmeiße ihn hochkant hinaus. Ende. Durch diese Tür kommst du hier nie mehr hinein. Und auch nicht mehr durchs Fenster. Ich lerne aus meinen Fehlern.
Draußen regnet es. Aber ich sehe den Regen nicht negativ. Im Gegenteil, er hat etwas reinigendes an sich. Er spült die Reste von ihm weg. Ich schlage die Kapuze auf und verdecke mein Haar, aber nicht meine Augen.
Zeit wieder mit einem Blick durch die Welt zu gehen. Mit erhobenen Haupt. Mit einem heilen Herzen. Und dem alten Strahlen.
Lea