Dienstag, 12. Juni 2012

Sport

Also, das passiert, wenn ich nach dem Sport beim Warten zu viel Zeit habe.

Waldlauf

Es ist Nacht. Ich hetzt durch den Wald. Mein Herz pocht in meinem Ohren. Ich weiß, ich mach viel zu viel Lärm und bin leichte Beute für die Bestien, die mich verfolgen, aber die Angst treibt mich vorwärts ohne Rücksicht. Und so lasse ich mich von den knisternden Blättern und knirschenden Zweigen unter meinen Füßen nicht stören. Ich renne nur. Hauptsache weg. Egal wohin. Bevorzugt zu einer Straße. Ich hätte schwören können, dass in der Nähe eine seien müsste. Laufe ich in die falsche Richtung? Angst fließt durch meine Adern wie Gift, wird mit jedem Herzschlag weitergepumpt. Es wird lauter - das Heulen der Wölfe hinter mir. Sie kommen näher. Wenn sie mich erreichen, wird das das Ende sein. Ein Ende, um welches sich die Wölfe reißen werden. Weil ich dann ihre nächste Beute seien werde. Ihre Heulen klingt in meinem Ohren, schwillt an zu einem nicht enden wollenden Konzert. Die Furcht legt sich wie ein Mantel um mich. Verwächst mit mir wie eine zweite Haut. Das Adrenalin schießt durch meine Adern. Treibt mich an, gibt mir die Kraft zu laufen. Ein Ast peitscht mir ins Gesicht als ich durchs Gebüsch presche, hinterlässt eine glühende, schmerzende Spur auf meiner Wange. Es ist mir egal. Das Gebüsch wird dichter, undurchdringlicher. Meine Angst wächst in schwindelerregende Höhen. Was wenn es am Ende mich zu sehr stoppt? Verzweifelt schlage ich mich hindurch als es wieder lichter wird. Ich renne schneller. Der Wald wird heller, der Mondschein trifft den Boden großflächiger. Das Heulen wird leiser, aber auch wütender. Die Meute scheint zurückzufallen. Ich hole den letzten Rest Kraft aus meinen Beinen und sprinte nochmal durch. Mein Herz setzt aus - da ist die Straße. Sie ist wirklich hier. Die letzten Meter erscheinen mir endlos. Der Boden unter meinen Schuhen - eben noch nachgiebige Erde - wird zu festem Asphalt. Ich folge dem Verlauf der Straße noch ein Stück ehe ich mein Tempo drossle, bevor ich ganz stehen bleibe. Mein Herzschlag hämmert in meinen Ohren, meine Beine zittern wie verrückt, mein Atem geht schnell und flach. Aber ich in entkommen. Vorsichtig streiche ich über meine Wange. Blut rinnt hinüber. Ich lächle, der Ast hat mich erwischt, aber nicht das Rudel. Das ist ein leicht zu akzeptierender Ausgleich. Vorsichtig gehe ich vorwärts. Jeder Schritt scheint auf einmal wie durch Treibsand. Das Adrenalin verflüchtigt sich und mein Körper rebelliert gegen jeden Schritt. Macht ihn zur Qual. Ich kämpfe um jeden Meter, der mich Richtung Stadt bringt. Und dann sehe ich die Scheinwerfer hinter mir. Anscheinend muss ich doch nicht laufen, denke ich als ich mich in die warmen Polster lehne und erschöpft die Augen schließe. Es war ein langer Tag...  

Lea

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