Waldlauf
Es ist Nacht. Ich hetzt durch den Wald. Mein Herz pocht in
meinem Ohren. Ich weiß, ich mach viel zu viel Lärm und bin leichte Beute für
die Bestien, die mich verfolgen, aber die Angst treibt mich vorwärts ohne
Rücksicht. Und so lasse ich mich von den knisternden Blättern und knirschenden
Zweigen unter meinen Füßen nicht stören. Ich renne nur. Hauptsache weg. Egal
wohin. Bevorzugt zu einer Straße. Ich hätte schwören können, dass in der Nähe
eine seien müsste. Laufe ich in die falsche Richtung? Angst fließt durch meine
Adern wie Gift, wird mit jedem Herzschlag weitergepumpt. Es wird lauter - das
Heulen der Wölfe hinter mir. Sie kommen näher. Wenn sie mich erreichen, wird
das das Ende sein. Ein Ende, um welches sich die Wölfe reißen werden. Weil ich
dann ihre nächste Beute seien werde. Ihre Heulen klingt in meinem Ohren,
schwillt an zu einem nicht enden wollenden Konzert. Die Furcht legt sich wie
ein Mantel um mich. Verwächst mit mir wie eine zweite Haut. Das Adrenalin
schießt durch meine Adern. Treibt mich an, gibt mir die Kraft zu laufen. Ein
Ast peitscht mir ins Gesicht als ich durchs Gebüsch presche, hinterlässt eine
glühende, schmerzende Spur auf meiner Wange. Es ist mir egal. Das Gebüsch wird
dichter, undurchdringlicher. Meine Angst wächst in schwindelerregende Höhen.
Was wenn es am Ende mich zu sehr stoppt? Verzweifelt schlage ich mich hindurch
als es wieder lichter wird. Ich renne schneller. Der Wald wird heller, der
Mondschein trifft den Boden großflächiger. Das Heulen wird leiser, aber auch
wütender. Die Meute scheint zurückzufallen. Ich hole den letzten Rest Kraft aus
meinen Beinen und sprinte nochmal durch. Mein Herz setzt aus - da ist die
Straße. Sie ist wirklich hier. Die letzten Meter erscheinen mir endlos. Der
Boden unter meinen Schuhen - eben noch nachgiebige Erde - wird zu festem
Asphalt. Ich folge dem Verlauf der Straße noch ein Stück ehe ich mein Tempo
drossle, bevor ich ganz stehen bleibe. Mein Herzschlag hämmert in meinen Ohren,
meine Beine zittern wie verrückt, mein Atem geht schnell und flach. Aber ich in
entkommen. Vorsichtig streiche ich über meine Wange. Blut rinnt hinüber. Ich
lächle, der Ast hat mich erwischt, aber nicht das Rudel. Das ist ein leicht zu
akzeptierender Ausgleich. Vorsichtig gehe ich vorwärts. Jeder Schritt scheint
auf einmal wie durch Treibsand. Das Adrenalin verflüchtigt sich und mein Körper
rebelliert gegen jeden Schritt. Macht ihn zur Qual. Ich kämpfe um jeden Meter,
der mich Richtung Stadt bringt. Und dann sehe ich die Scheinwerfer hinter mir.
Anscheinend muss ich doch nicht laufen, denke ich als ich mich in die warmen
Polster lehne und erschöpft die Augen schließe. Es war ein langer Tag...
Lea
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