Jeder kennt
ihn. Den Mann, der am Wasser steht und die Menschen beobachtet, die schwimmen
gehen. Aber er interessiert sich nicht für die Schwimmer. Leute, die ohne
Schwierigkeiten durch das Wasser gleiten, sind für ihn nicht von Bedeutung. Er
sucht nach denen, die im seichten Wasser stehen -unfähig und zu ängstlich um
sich tiefer zu trauen -aus Angst zu ertrinken. Diese Menschen sind es, die ihn
faszinieren. Ihre Schwäche. Ihre Unfähigkeit etwas so simples und von der
Gesellschaft anerkanntes zu erlernen. Ob nun Männer, Frauen oder Kinder. Er
sieht sie alle. Studiert ihre Schwäche. Sieht sie, nimmt sie auseinander.
Er geht wie
zufällig hinter einem Kind entlang, dass unsicher am Ufer auf und ab geht - es
kann nicht schwimmen. Und er stößt es in die Fluten. Sieht zu wie es im Wasser
strampelt, sich abmüht um nicht unter zu gehen. Er lächelt und beugt sich zu
ihm hinunter. Sagt ihm, dass er es, wenn es ihn bittet, wieder rausziehen wird.
Das Kind bittet, bettelt unter Tränen und Todesangst. Locker streckt er die
Hand aus und zieht das Kind heraus. Es zittert, weint. Hat noch immer Angst und
die spiegelt sich auch in seinen Augen. Wie großzügig er doch sei, meint er. Da
habe er grade einem armen Kind das Leben gerettet.
Er geht davon
noch immer grinsend auf der Suche nach dem nächsten Nichtschwimmer.
Wer ist
derjenige, der dich ins Wasser schubst? Und warum kannst du darin nicht
schwimmen? Warum er es tut, ist ja wohl klar. Erniedrigung eines anderen zur
Erhöhung seiner selbst. Die größte Form der Schwäche.
Gibt es
diesen Menschen auch in eurem Leben?
In Wasser
starrend,
Lea
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