Sonntag, 1. April 2012

Sonnenstrahlen und Maskentassen


Was gibt es schöneres als um sieben Uhr morgens von einer nassen Schnauze im Gesicht aufzuwachen? Von dem vorwurfsvollen Fiepen des Hundes, der unbedingt spazieren gehen will? Und wenn man dann endlich auch wach ist, hat er sein Ziel erreicht und läuft zufrieden aus dem Zimmer. Mein kleines Dummerchen. Aber ich liebe ihn.
Gestern bin ich "zu Hause" angekommen. Der erste Kommentar von Max, als ich ihn getroffen habe, war mal positiv. Ein freundlich-überraschtes: "Du bist aber hübsch geworden"! Kommentar meiner Mutter war: "Du bist dünn geworden. Man merkt deine Rippen". Ich habe diese beiden und natürlich meinen Hund, der mir erst mal Arme, Hände und versuchsweise das Gesicht abgeleckt hat, vermisst. Das merke ich jetzt besonders.
Ich käme nie auf die Idee in den Ferien um sieben aufzustehen, obwohl ich erst lange nach Mitternacht ins Bett gegangen bin. Aber hier? Draußen scheint die Sonne ins Wohnzimmer, wo ich schlafe. Wie ein Gruß, der mir sagen will, dass sich auch die Stadt über mich freut. Während meine Mutter mit dem Hund unterwegs ist, wasche ich ab und baue das Schlafsofa wieder zur Couch um. Mein Rücken ist ja sowieso eine totale Katastrophe, weil ich als Schultasche eine zu schwere Schultertasche nehme, und das Sofa ist so schlecht, dass ich schon nach einer Nacht Schmerzen habe. Aber ich bin glücklich. Das ist mir heute Morgen klar geworden.
Diese Wohnung ist ein Ort der Freiheit. Ein kleines Amerika, könnte man sagen. Hier kann ich seien wie ich bin und werde auch so akzeptiert. Rat, Liebe, Hilfe - ich muss nur fragen und bekomme das alles. Schon jetzt haben wir über so viele Sachen geredet. Jungs, meine Situation, ihr Leben. Auf Facebook Leute angesehen, die auch sie noch kennt. Von anderen Bildern gezeigt, die sie noch nicht kennt und ihre Meinung zu diesen Leuten eingeholt. Anders als Max ist sie sehr offen gewesen und hat allen eine Chance gegeben, von denen ich ihr erzählt habe.
Jetzt sitze ich hier und tippe. Neben mir meine Lektüre für die Woche hier. Schweren Herzens hat sie mir das Buch gegeben, obwohl sie gehofft hat, dass mich der Inhalt nie betreffen würde. Und jetzt ist es doch so. Vielleicht hilft mir das Buch zu verstehen und mich zu wehren. Wieder einen Schutz aufzubauen. Wieder in meiner Wohnstadt lachen zu können, weil ich fröhlich bin. Ich hoffe es. Ich denke schon. Jetzt zählen zuerst nur die Tage hier. Was danach kommt, wird sich zeigen.
Vor dem Fenster reckt sich ein Baum in den Himmel. An seinen Zweigen sind schon Knospen zu sehen. Ich freue mich schon darauf im Sommer zu sehen, dass sie aufgegangen sind. Und das macht mich glücklich. Ein so typisches Hoffnungsbild. Die Orchidee meiner Mutter blüht schon. Bei ihr blüht sowieso alles ohne ihr Zutun. Es liegt wohl einfach an ihrer Art.
Mein Hund quengelt um Aufmerksamkeit, also war es das fürs erste.
Noch ein kleines Dankeschön für gestern Abend. Du weißt, dass du gemeint bist.
Lea

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