Was gibt es
schöneres als um sieben Uhr morgens von einer nassen Schnauze im Gesicht
aufzuwachen? Von dem vorwurfsvollen Fiepen des Hundes, der unbedingt spazieren
gehen will? Und wenn man dann endlich auch wach ist, hat er sein Ziel erreicht
und läuft zufrieden aus dem Zimmer. Mein kleines Dummerchen. Aber ich liebe
ihn.
Gestern bin
ich "zu Hause" angekommen. Der erste Kommentar von Max, als ich ihn
getroffen habe, war mal positiv. Ein freundlich-überraschtes: "Du bist
aber hübsch geworden"! Kommentar meiner Mutter war: "Du bist dünn
geworden. Man merkt deine Rippen". Ich habe diese beiden und natürlich
meinen Hund, der mir erst mal Arme, Hände und versuchsweise das Gesicht
abgeleckt hat, vermisst. Das merke ich jetzt besonders.
Ich käme nie
auf die Idee in den Ferien um sieben aufzustehen, obwohl ich erst lange nach
Mitternacht ins Bett gegangen bin. Aber hier? Draußen scheint die Sonne ins
Wohnzimmer, wo ich schlafe. Wie ein Gruß, der mir sagen will, dass sich auch die
Stadt über mich freut. Während meine Mutter mit dem Hund unterwegs ist, wasche
ich ab und baue das Schlafsofa wieder zur Couch um. Mein Rücken ist ja sowieso
eine totale Katastrophe, weil ich als Schultasche eine zu schwere
Schultertasche nehme, und das Sofa ist so schlecht, dass ich schon nach einer
Nacht Schmerzen habe. Aber ich bin glücklich. Das ist mir heute Morgen klar
geworden.
Diese
Wohnung ist ein Ort der Freiheit. Ein kleines Amerika, könnte man sagen. Hier
kann ich seien wie ich bin und werde auch so akzeptiert. Rat, Liebe, Hilfe -
ich muss nur fragen und bekomme das alles. Schon jetzt haben wir über so viele
Sachen geredet. Jungs, meine Situation, ihr Leben. Auf Facebook Leute angesehen,
die auch sie noch kennt. Von anderen Bildern gezeigt, die sie noch nicht kennt
und ihre Meinung zu diesen Leuten eingeholt. Anders als Max ist sie sehr offen
gewesen und hat allen eine Chance gegeben, von denen ich ihr erzählt habe.
Jetzt sitze
ich hier und tippe. Neben mir meine Lektüre für die Woche hier. Schweren
Herzens hat sie mir das Buch gegeben, obwohl sie gehofft hat, dass mich der
Inhalt nie betreffen würde. Und jetzt ist es doch so. Vielleicht hilft mir das
Buch zu verstehen und mich zu wehren. Wieder einen Schutz aufzubauen. Wieder in
meiner Wohnstadt lachen zu können, weil ich fröhlich bin. Ich hoffe es. Ich
denke schon. Jetzt zählen zuerst nur die Tage hier. Was danach kommt, wird sich
zeigen.
Vor dem
Fenster reckt sich ein Baum in den Himmel. An seinen Zweigen sind schon Knospen
zu sehen. Ich freue mich schon darauf im Sommer zu sehen, dass sie aufgegangen
sind. Und das macht mich glücklich. Ein so typisches Hoffnungsbild. Die
Orchidee meiner Mutter blüht schon. Bei ihr blüht sowieso alles ohne ihr Zutun.
Es liegt wohl einfach an ihrer Art.
Mein Hund
quengelt um Aufmerksamkeit, also war es das fürs erste.
Noch ein kleines Dankeschön für gestern Abend.
Du weißt, dass du gemeint bist.
Lea
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