Ich bin
wieder in meiner Heimatstadt angekommen. Mit zusammengebissenen Zähnen hänge
ich über dem Metallrahmen meines Bettes und verfluche mich. Zum einen vor
Schmerzen - mein sowieso ziemlich schlechter Rücken ist mir gestern irgendwann
im Laufe des Tages völlig ruiniert worden. Jede Bewegung zuckt wie ein Schock
immer wieder ins Gehirn und meldet die Schmerzen. Da ist meine Position
natürlich wenig förderlich. Aber ich brauche sie grade. Denn ich fluche mental
noch aus anderen Gründen.
Einer ist, dass ich wieder in dieser tristen, grauen
Stadt bin. Tatsächlich scheinen hier wirklich die Farben zu fehlen. Wie ein
Abgrund tut sich vor mir die altbekannte depressive Stimmung auf. Scheint mich
magisch anzuziehen, während ich mit aller Kraft in die andere Richtung strebe.
Gegen den Wind, der mich in den Abgrund treiben will. Ich habe geahnt, dass es
wieder schwer wird. Aber ich hätte gedacht, dass ich mehr Zeit bekomme um mich
vorzubereiten.
Und noch ein
letzter Grund bereitet mir Schmerzen. Die Ungewissheit. Die Angst vor dieser
verdammten Nadel, die meine Träume platzen lassen will. Wenn man paranoisch
wird, beginnt man ja überall Anzeichen zu sehen für solche Dinge. Und grade
scheinen sie überall zu seien. Mental verpasse ich mir für jede Träne, die ich
weinen will, eine Ohrfeige. Keine Tränen. Nicht heute. Nicht deswegen! Das wäre
für mich der erste Schritt zu akzeptieren, dass ich in einer Seifenblase sitze.
Die Akzeptanz, dass ich es träume und es unrealistisch ist. Ich will nicht die
Kraft verlieren, die ich aus ihr ziehe. Ich weigere mich der Realität ins Auge
zu blicken. Weil mich dann nichts mehr vom Abgrund fernhält.
Kennt ihr
den Ariadnefaden? Ein Geschenk in der griechischen Mythologie. Ariadne schenkte
Theseus einen Faden, der ihn aus dem Labyrinth des Minotaurus wieder
hinausführte. Ein alltägliches Geschenk, könnte man meinen. Ungefähr so muss
man sich diese Seifenblase für mich vorstellen. Es ist eine Alltäglichkeit.
Keine große Sache. Und auch nicht wirklich besonders. Aber dieser Faden - diese
Blase - hält mich, gibt mir Kraft. Und ich weiß, wenn ich das verliere, ist der
Schritt in den Abgrund fast schon sicher.
Zack - eine
mentale Ohrfeige. Das Thema stimmt mich traurig. Schluss damit. Noch halte ich
mich fest, schwebe über dem Abgrund. Kein Fall. Nicht heute. Nicht deswegen.
Nicht solange mich noch ein winziges Stück Faden hält.
Lea
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